Armenien
Stand: August 2010
Wirtschaftsentwicklung
Bis zum Beginn der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise konnte Armenien mit einem hohen Wirtschaftswachstum beeindrucken. Zwischen 2002 und 2007 wuchs das BIP jährlich um zehn bis 14 Prozent. Über die Hälfte des Wachstums wurde 2008 in den Bereichen Bauindustrie sowie Handel, Dienstleistungen, Gastronomie und Transport erwirtschaftet. Die Krise hat insbesondere diese beiden Sektoren in Mitleidenschaft gezogen, was 2009 zu einem BIP-Einbruch um 14,4 Prozent führte. Das Antikrisenprogramm der Regierung in Jeriwan stellt in erster Linie die Förderung von Bildung, Wissenschaft und Technologien in den Mittelpunkt. Hauptrichtung der Entwicklung des Landes im Industrie- und Dienstleistungssektor sind die Branchen Bergbau und Chemie, Feinchemie, Pharmazie, IT/TK, die Juwelierindustrie, Tourismus, Gesundheitswirtschaft, Landwirtschaft, Nahrungsmittelverarbeitung sowie Energieerzeugung.
Aktuelle Projekte im Infrastrukturbereich sind ein Nord-Süd-Straßenkorridor, für den zukünftig auch eine parallele Eisenbahnlinie vorgesehen ist, die Rekonstruktion von Erdbebenzonen (insbesondere im Gebiet Gumri) sowie der Bau einer Eisenbahnverbindung in den Iran.
Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland
Als Folge eines Einbruchs der Importe aus Armenien um 35,1 Prozent auf 87,2 Millionen Euro nahm das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Armenien im Krisenjahr 2009 um 5,3 Prozent auf 224,5 Millionen ab. Dagegen konnte bei den deutschen Exporten nach Armenien ein Plus von 33,6 Prozent auf 137,3 Millionen verzeichnet werden.
Ausblick
In Armenien hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, die Geschäftsbedingungen sind jedoch weiterhin kompliziert. Mit 3,2 Millionen Einwohnern ist der Markt recht klein. Das Land verfügt über keine bedeutenden Rohstoffvorkommen, die als Motor für eine Modernisierung der Wirtschaft genutzt werden könnten. Die Rolle internationaler Finanzierungsinstitutionen bei der Investitionstätigkeit ist sehr hoch. Armenien ist zudem mit einem Transportproblem konfrontiert, das seine Anbindung an den europäischen und den globalen Markt auf Grund hoher Transportkosten erschwert. Das Land versucht, diesen logistischen Mangel über die Entwicklung von Wissenschaft und Bildung zu kompensieren.
Gleichwohl besteht in Armenien Potenzial für deutsche mittelständische Unternehmen. Nach Einschätzung des EBRD-Vertreters in Armenien, Valeriu Razlog, hat das Land auf Grund seiner Größe besonderes Potenzial für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Hierbei sieht die EBRD besondere Chancen in den Bereichen Obstverarbeitung, IT/TK, Tourismus, erneuerbare Energien sowie Innovationen und Know-how-Transfer in allen Industriesektoren.
Anfang Mai 2009 hat die EU Armenien mit fünf weiteren Ländern in ihr Programm der „Östlichen Partnerschaft“ aufgenommen. Auf diese Weise soll eine engere Anbindung an die EU in den Bereichen Wirtschaft, Handel und politisch-administrative Kooperation gewährleistet, sowie gleichzeitig für eine größere Stabilität in der Region gesorgt werden. Die Initiative der „Östlichen Partnerschaft“ weckt Hoffnungen auf eine positive wirtschaftliche Entwicklung, die Übernahme von EU-Standards, Freihandelsabkommen und Visa-Erleichterungen. Wirtschaftliche Impulse könnte in den nächsten Jahren zudem von einer Öffnung der Grenze zur Türkei ausgehen. Beide Länder setzten im Jahr 2009 ihren Annäherungskurs fort.
Aktivitäten des Ost-Ausschusses
Im Rahmen der Außenwirtschaftsförderung der Bundesregierung veranstaltete das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) im September 2009 eine Wirtschaftsförderreise nach Armenien, die durch den Ost-Ausschuss unterstützt wurde. Der Bericht der Reise ist unter folgendem Link einzusehen: www.ost-ausschuss.de/signal-der-hoffnung.

Statistik
Präsident: Serzh Sargsyan
Ministerpräsident: Tigran Sargsyan
Hauptstadt: Jeriwan
Bevölkerung, 2009: 3,2 Mio
Nominales BIP, 2009: 6,12 Mrd Euro
BIP pro Kopf, 2009: 1.875 Euro
BIP-Wachstum, 2009: -14,4 %
Bilateraler Handel mit Deutschland
Importe aus AM, 2009: 87,2 Mio. Euro
Exporte nach AM, 2009: 137,3 Mio. Euro
Quellen:
Statistisches Bundesamt, IWF, ADB
BIP: Bruttoinlandsprodukt
Artikel
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