Armenien

Stand: August 2011

Armenien liegt im Bergland zwischen Georgien, Aserbaidschan, Iran und der Türkei und ist flächenmäßig etwa so groß wie das Bundesland Brandenburg. Die politische und wirtschaftliche Entwicklung wird stark durch die geographische Lage bestimmt. Armenien hat keinen Meerzugang, Teile des Staatsgebiets bestehen aus schwer zugänglichen Bergen, zudem besitzt das Land zwar einige Bodenschätze, ist aber in hohe Maße abhängig von Öl- und Gasimporten (vorwiegend aus Russland). Historisch gibt es angespannte Beziehungen mit Aserbaidschan (Stichwort: Berg-Karabach-Konflikt) und der Türkei. Bis heute sind die Grenzübergänge zu diesen beiden Nachbarn geschlossen.

Anfang Mai 2009 hat die EU Armenien mit fünf weiteren Ländern in ihr Programm der „Östlichen Partnerschaft“ aufgenommen. Auf diese Weise soll eine engere Anbindung an die EU in den Bereichen Wirtschaft, Handel und politisch-administrative Kooperation gewährleistet, sowie gleichzeitig für eine größere Stabilität in der Region gesorgt werden.

Wirtschaftsentwicklung

Zwischen 2002 und 2007 wuchs das armenische Bruttoinlandsprodukt (BIP) jährlich um zehn bis 14 Prozent. Über die Hälfte des Wachstums wurde 2008 in den Bereichen Bauindustrie sowie Handel, Dienstleistungen, Gastronomie und Transport erwirtschaftet. Die Krise hat insbesondere diese Sektoren in Mitleidenschaft gezogen, was 2009 zu einem BIP-Einbruch um 14,4 Prozent führte. Dank wirksamer Krisenmaßnahmen konnte die Rezession 2010 überwunden werden. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs wieder um 2,6 Prozent.

Hauptrichtung der Entwicklung des Landes im Industrie- und Dienstleistungssektor sind die Branchen Bergbau und Chemie, Feinchemie, Pharmazie, IT/TK, die Juwelierindustrie, Tourismus, Gesundheitswirtschaft, Landwirtschaft, Nahrungsmittelverarbeitung sowie Energieerzeugung.

Negativ auf die Entwicklung der armenischen Wirtschaft wirkt sich die hohe Abwanderung insbesondere der jungen Bevölkerung ins Ausland aus. Nach offiziellen Angaben lag die Einwohnerzahl im Jahr 2010 bei 3,26 Millionen. Internationale Experten gehen jedoch von einer Bevölkerungszahl von deutlich unter drei Millionen aus.

Kaum ein anderes Land ist so abhängig von Rücküberweisungen seiner im Ausland lebenden Bürgerinnen und Bürgern wie Armenien. Diese brachen infolge der weltweiten Wirtschaftskrise jedoch stark ein und konnten bis jetzt das Vorkrisenniveau nicht wieder erreichen. Problematisch bleibt auch die hohe Arbeitslosigkeit.
 
Dennoch sind in einigen Bereichen der Wirtschaft positive Entwicklungstrends zu beobachten. Die Industrie legte im Jahr 2010 um 9,5 Prozent zu. Auch der Handels- und Dienstleistungssektor verbesserte sich um 4,4 Prozent. Die Ausländischen Direktinvestitionen stiegen 2010 um 3,5 Prozent. Positiv entwickelt sich auch die Bauwirtschaft. 

Aktuelle Projekte im Infrastrukturbereich sind ein Nord-Süd-Straßenkorridor, für den zukünftig auch eine parallele Eisenbahnlinie vorgesehen ist, die Rekonstruktion von Erdbebenzonen (insbesondere im Gebiet Gumri) sowie der Bau einer Eisenbahnverbindung in den Iran.

Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland

Deutschland ist ein wichtiges Abnehmerland Armeniens. Der bilaterale Handel konnte sich im Jahr 2010 nach krisenbedingten Einbrüchen wieder leicht verbessern, wobei der Handel sich immer noch auf einem relativ niedrigen Niveau bewegt. Während Deutschland im Jahr 2010 seine Importe aus Armenien um 36,7 Prozent steigerte (118,2 Millionen Euro), nahmen die Exporte nach Armenien um 16,1 Prozent auf 118,7 Millionen Euro ab. Insgesamt wurden demnach Waren im Wert von  237 Millionen Euro ausgetauscht.
Aus Deutschland werden hauptsächlich Maschinen, Elektrotechnik, Kraftfahrzeuge, Kfz-Teile und chemische Erzeugnisse nach Armenien exportiert. Bei den Exporten aus Armenien nach Deutschland dominieren Metalle wie Eisen und Stahl sowie Textilien und Bekleidung.

Ausblick

Armenien hat in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht, die Geschäftsbedingungen sind jedoch weiterhin kompliziert. Mit drei Millionen Einwohnern ist der Markt recht klein. Das Land verfügt über keine bedeutenden Rohstoffvorkommen, die als Motor für eine Modernisierung der Wirtschaft genutzt werden könnten. Die Rolle internationaler Finanzierungsinstitutionen bei der Investitionstätigkeit ist hoch. Lichtblicke für ein wachendes Wirtschaftswachstum sind die wieder in Schwung kommende Bauwirtschaft, der Telekommunikationsmarkt, die Landwirtschaft und anziehende Exporte. Den Handel beeinträchtigen weiterhin die geschlossenen Grenzen zu den Nachbarstaaten Aserbaidschan und Türkei sowie das internationale Handelsembargo für den Iran. Das Transportproblem erschwert daher Armeniens Anbindung an den europäischen und den globalen Markt. Das Land versucht, diesen logistischen Mangel über die Entwicklung von Wissenschaft und Bildung zu kompensieren.

Gleichwohl besteht in Armenien Potenzial für deutsche mittelständische Unternehmen. Nach Einschätzung des Vertreters der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in Armenien Valeriu Razlog hat das Land besonderes Potenzial für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Hierbei sieht die EBRD besondere Chancen in den Bereichen Obstverarbeitung, IT/TK, Tourismus, erneuerbare Energien sowie Innovationen und Know-how-Transfer in allen Industriesektoren.

Auch die Einbindung Armeniens in die EU-Initiative der „Östlichen Partnerschaft“ weckt Hoffnungen auf eine positive wirtschaftliche Entwicklung und die Übernahme von EU-Standards, Freihandelsabkommen und Visa-Erleichterungen.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Die Weiterentwicklung der deutsch-armenischen Wirtschaftsbeziehungen stand im Mittelpunkt eines Treffens von Mitgliedsunternehmen des Ost-Ausschusses mit Präsident Serzh Sarksyan, das im Juni 2010 in Berlin stattfand.
 

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Statistik

Präsident: Serzh Sargsyan
Ministerpräsident: Tigran Sargsyan
Hauptstadt: Jeriwan
Bevölkerung, 2010: 3,3Mio.
Nominales BIP, 2010: 9,4 Mrd US$
BIP pro Kopf, 2010:  2, 845 US$
BIP-Wachstum, 2010: 2,6 %
BIP-Wachstum, 2011*: 4,6%
 
Bilateraler Handel mit Deutschland
Importe aus AM, 2010: 118,2 Mio. Euro
Exporte nach AM, 2010: 118,7 Mio. Euro
 
Quellen:
Statistisches Bundesamt, IWF, ADB, EBRD, gtai
 

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