Bosnien-Herzegowina

Stand: Dezember 2010

Infolge des Zerfalls Jugoslawiens und der Unabhängigkeitserklärung Bosnien-Herzegowinas brachen 1992 Kriege zwischen den Armeen der bosnischen Serben, der bosnischen Kroaten und der Bosniaken aus. Erst das Friedensabkommen von Dayton aus dem Jahre 1995 führte zu einem offiziellen Ende der Kriegshandlungen. Die wichtigsten Folgen des Dayton-Abkommens waren einerseits die internationale Anerkennung der Souveränität des Staates Bosnien-Herzegowinas, andererseits der bis heute erhalten gebliebene komplexe Staatsaufbau. So setzt sich das Land aus zwei Entitäten zusammen – der Föderation von Bosnien und Herzegowina (bosniakisch-kroatische Föderation) und der Republika Srbska (serbische Republik), die beide jeweils über eine eigene Exekutive und Legislative verfügen. Parallel zu den Regierungen und Parlamenten der beiden Teilrepubliken bestehen zudem auch eine gesamtstaatliche Regierung und ein gesamtstaatliches Parlament. Zwar waren die Kompetenzen der gesamtstaatlichen Organe zunächst nur auf Außenpolitik, Geldpolitik und Außenwirtschaftspolitik beschränkt, es gelang jedoch, eine schrittweise Ausdehnung der zentralstaatlichen Zuständigkeiten vorzunehmen, so beispielsweise auf die Bereiche Verteidigung, Migration, Telekommunikation und Zoll. Das Staatspräsidium von Bosnien-Herzegowina setzt sich aus je einem Repräsentanten der drei ethnischen Gruppen zusammen, wobei der Vorsitz alle acht Monate rotiert. Eine weitere Besonderheit der bosnisch-herzegowinischen staatlichen Strukturen stellt der Hohe Repräsentant dar, der als Vertreter der internationalen Gemeinschaft fungiert und faktisch einen Teil der Staatsgewalt des Landes ausübt. Die zentrale Aufgabe des Hohen Repräsentanten ist es, die Umsetzung der zivilen Aspekte des Dayton-Abkommens zu überwachen.

Noch scheint eine EU-Mitgliedschaft Bosnien und Herzegowinas in weiter Ferne zu liegen. Erfreulich ist allerdings, dass die Bürger des Landes seit dem 15. Dezember 2010 bei der Einreise in den Schengen-Raum von der Visumpflicht befreit sind, insofern sie im Besitz eines biometrischen Reisepasses sind.

Wirtschaftliche Entwicklung

Nach Beendigung des Krieges begann sich die Wirtschaft des Landes nur langsam zu erholen. Ein relativ robustes Wachstum mit Wachstumsraten von sechs bis sieben Prozent entwickelte sich erst ab Mitte 2005. Bedingt durch die globale Finanzkrise konnten diese Zahlen in den Jahren 2008 und 2009 nicht mehr erreicht werden. Während 2008 immerhin noch 5,6 Prozent Wirtschaftswachstum registriert wurden, schrumpfte die Wirtschaft 2009 um 3,5 Prozent. Für das Jahr 2010 rechnen Experten mit einer Stabilisierung der Lage.

Die bosnisch-herzegowinische Wirtschaft ist stark vom Ausland abhängig, was sich insbesondere dadurch zeigt, dass das Handelsvolumen etwa 95 Prozent des BIP ausmacht. Die schrittweise Beseitigung von Handelshemmnissen zwischen der EU und Bosnien-Herzegowina bis 2013 unterstreicht das Bestreben, den Balkanstaat in den europäischen Markt zu integrieren.

Drängende wirtschaftliche Probleme bestehen insbesondere in der mit knapp 40 Prozent sehr hohen Arbeitslosigkeit, der ausgeprägten Schattenwirtschaft und dem hohen Leistungsbilanzdefizit. Zwar gelang es in der Vergangenheit, letzteres mit Hilfe der hohen Summe an Auslandsüberweisungen durch die im Ausland ansässigen Bosnier etwas zu neutralisieren – im Jahre 2008 machten diese Remittances immerhin 17 Prozent des BIP aus, allerdings ist im Zuge der jüngsten Finanzkrise mit einem Rückgang der Auslandsüberweisungen zu rechnen.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Deutsche Unternehmen übernahmen nach dem Ende der Kriege in Bosnien-Herzegowina eine Vorreiterrolle und investierten insbesondere in die produzierende Industrie des Landes. Der Warenaustausch zwischen beiden Staaten konnte in den letzten Jahren eine Intensivierung verzeichnen und so gehört die Bundesrepublik Deutschland inzwischen zu den wichtigsten Handelspartnern Bosnien-Herzegowinas. Die deutschen Investitionen im Lande konzentrieren sich vor allem auf die Bereiche Fahrzeugmontage und –zulieferindustrie, Bauindustrie, Rohstoffverarbeitung, Milchwirtschaft sowie auf das Bankwesen. Zu weiteren Branchen mit wirtschaftlichem Potenzial gehören der Bereich der erneuerbaren Energien, hier insbesondere die Wasserkraft, und die Metallverarbeitung.

Im Sommer 2007 wurde ein deutsch-bosnisch-herzegowinischer Wirtschaftsverein gegründet, der der Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern Rechnung trägt.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Seit 2007 unterstützt der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft im Rahmen des Stipendienprogramms der Deutschen Wirtschaft für den Westbalkan (Stipendienprogramms der Deutschen Wirtschaft) auch junge Graduierte aus Bosnien-Herzegowina. Die Stipendiaten dieses Programms haben die Möglichkeit, für eine Dauer von drei bis sechs Monaten ein Praktikum bei einem führenden deutschen Unternehmen zu absolvieren. Das Ziel des Stipendienprogramms ist es zum einen, junge südosteuropäische Führungskräfte fortzubilden, zum anderen soll ein Netzwerk ehemaliger Stipendiaten in der Region etabliert werden, um die Kontakte der deutschen Wirtschaft zum Westbalkan weiter zu stärken.


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Statistik

Staatspräsidium: Haris Silajdžić, Nebojša Radmanović, Željko Komšić

Regierungschef: Nikola Špirić
Hauptstadt: Sarajevo
 
Bevölkerung, 2009: 3,9 Mio
BIP, 2009: 12,1 Mrd Euro
BIP pro Kopf, 2009: 3.153 Eruo
BIP-Wachstum, 2010: 0,8%
BIP-Wachstum, 2011: 2,2%
 

 
Bilateraler Handel mit Deutschland
Importe aus BiH, 2009: 306 Mio. Euro
Exporte nach BiH, 2009: 614 Mio. Euro
 
Quellen:
Auswärtiges Amt, CIA World Factbook,
Statistisches Bundesamt, gtai, EBRD.
BIP: Bruttoinlansprodukt