Kasachstan

Stand: August 2010.

 Wirtschaftsentwicklung

Die Wirtschaft Kasachstans wird vom Öl- und Gassektor dominiert, das Land ist mittlerweile der fünftgrößte Erdölexporteur der Welt. Die Ölproduktion soll von 1,3 Mio. Barrel in 2005 bis 2010 auf 1,8 Mio. und bis 2015 auf 3 Mio. Barrel gesteigert werden. Neben dem Öl- und Gassektor stützt sich das Wirtschaftswachstum vor allem auf die Erlöse aus dem Metall- und Getreideexport sowie die Umsetzung großer Investitionsprojekte im verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor.

Kasachstan hat in den Jahren seit 2003 verschiedene wirtschaftsfördernde Einrichtungen geschaffen, die die Diversifizierung der Wirtschaft voranbringen sollen. Derzeit umfasst das Portfolio der Institute mehr als 180 zur Mitfinanzierung genehmigte Projekte mit einem Wert von 4,4 Mrd. Euro. Bis 2012 soll das Investitionsportfolio auf mehr als 13 Mrd. USD steigen. Dennoch befindet sich Kasachstan erst am Beginn einer modernen diversifizierten Wirtschaft. Bisher hing das Wachstum im Wesentlichen von der günstigen Konjunktur auf dem Weltrohstoffmarkt ab. Hinzu kommt die nach wie vor in vielen Sektoren blühende Schattenwirtschaft, deren Anteil am BIP sich nach Meinung kasachischer Ökonomen insgesamt auf bis zu 30 Prozent beläuft.

Weil Kasachstan enger in die internationale Finanzwelt eingebunden ist als die Nachbarrepubliken, zeigten sich die Folgen der Wirtschaftskrise hier früher und stärker. Die Regierung in Astana hat darauf mit Entwicklungsprogrammen zur Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Stabilität und zur Gewährleistung der Versorgung der Bevölkerung reagiert. Dass das kasachische Bruttoinlandsprodukt im Jahre 2009 nur um 1,3 Prozent geschrumpft ist, und damit weitaus weniger als in vergleichbaren Ländern, verdankt das Land nicht zuletzt den im zweiten Halbjahr 2009 wieder gestiegenen Weltmarktpreisen für Rohstoffe.

Wie sich die kasachische Wirtschaftsleistung in den kommenden Jahren entwickelt wird zu großen Teilen davon abhängen, inwieweit es der Republik gelingt, die Probleme des Bankensystems zu überwinden. Diese erheblichen Schwierigkeiten im Banksektor betreffen unmittelbar auch die deutsche Wirtschaft. So hat die Euler Hermes Kreditversicherungs-AG die generelle Anerkennung von kasachischen Banken aufgehoben und überprüft die Deckungsmöglichkeiten für Exporte nach Kasachstan sowie auch in die anderen zentralasiatischen Republiken nun im Einzelfall. Für Geschäfte, die durch die Bank Turan Alem, die Alliance Bank und die Astana Finance Bank besichert sind, übernimmt der Bund zudem bis auf Weiteres keine Hermesdeckungen mehr. Der Ost-Ausschuss hat die kasachische Regierung mehrfach auf das schwer beschädigte Vertrauen in das kasachische Bankwesen hingewiesen.

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Deutsch-kasachische Wirtschaftsbeziehungen

1. Handel
 
Der bilaterale Handel mit Kasachstan im Jahr 2009 ging um 39 Prozent zurück. Die deutschen Exporte nach Kasachstan schrumpften mit minus 15 Prozent gegenüber 2008 etwas weniger. Deutschland blieb auch im Krisenjahr 2009 der wichtigste Handelspartner Kasachstans innerhalb der EU. Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass die Rolle Chinas im Handel mit Kasachstan immer wichtiger wird. Wichtigste deutsche Exportgüter bleiben Pkw, Nachrichten- und Energietechnik, Bergwerks-, Bau- und Baustoffmaschinen, Fabrikationsanlagen, Lkw, Busse und Spezialfahrzeuge, elektrotechnische Erzeugnisse, Blech- und Metallwaren, Medizintechnik, Pumpen, Kompressoren, Armaturen, Stahlrohre, Hebezeuge, Kunststoffwaren, Arzneimittel, Kosmetika sowie Papier und Pappe. Wichtigste Einfuhrgüter sind Rohöl, Ferrolegierungen, Kupfer, Aluminium und Zink, chemische Vorerzeugnisse und Gold für gewerbliche Zwecke.

2. Investitionen

Die akkumulierten Direktinvestitionen aus Deutschland lagen 2008 bei ca. 3,1 Mrd. US-Dollar. Neben Siemens gehört die Firma Knauf mit 80 Mio. US-Dollar zu den größten deutschen Direktinvestoren. Große aktuelle Investitionsprojekte werden außerdem von HeidelbergCement, Ferrostaal und ThyssenKrupp in den Sektoren Anlagenbau und Investitionsgüterhandel verwirklicht.

Kasachstan hat zahlreiche Maßnahmen zur Förderung ausländischer Investitionen ergriffen, wie Steuererleichterungen und die Schaffung von Wirtschaftszonen mit günstigen Investitionsbedingungen. 
Seit 1995 besteht ein deutsch-kasachisches Investitionsschutzabkommen und seit 1998 ein Doppelbesteuerungsabkommen. Mit der EU besteht seit 1995 ein Partnerschafts- und Kooperationsabkommen.

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Chancen, Risiken und Ausblick

Chancen:
Kasachstan verfügt über eine aufstrebende, liberale Wirtschaft mit großem Modernisierungs- und Diversifizierungsbedarf, rasant wachsender Binnennachfrage und wachsendem Qualitätsbewusstsein. Das Potential Kasachstans basiert auf enormen Rohstoffreichtum, großen Ressourcen im Agrarbereich sowie seiner Lage als Transportkorridor für den europäischen, sibirischen und chinesischen Markt.

Weitere Chancen für die intensive Kooperation der Ministerien von beiden Staaten im Rahmen der Zentralasienstrategie 2007-2013 bieten sich in den Bereichen Umweltschutz, erneuerbare Energie, Energieeffizienz und Entwicklung alternativer Energiequellen.

Risiken:
Trotz des Modernisierungsstrebens der kasachischen Regierung treffen ausländische Investoren auf zum Teil schwierige Rahmenbedingungen, vor allem in Bezug auf mangelnde Vertragstreue und Transparenz bei Entscheidungsprozessen, fehlende Rechtssicherheit sowie Interventionen von Staatsorganen in das Wirtschaftsgeschehen. Trotz verschiedener multilateraler Fortbildungsprogramme und Bildungskooperationen in Manager- und Medizinpersonalausbildung besteht nach wie vor ein Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften.

Ausblick:
Kasachstan bleibt in einem erheblichen Maße auf den Import von Maschinen und Anlagen angewiesen. Die Importquote im Maschinenbausektor beträgt heute etwa 85 Prozent. Eine weiter steigende Nachfrage nach Importtechnik für 2009 prognostizieren Marktkenner insbesondere in den Industriesektoren Öl- und Gaswirtschaft, Erzbergbau, Hüttenwesen, Nahrungsmittelindustrie sowie Produktion von chemischen- und Kunststofferzeugnissen. Der Agrarsektor wurde in letzter Zeit von der kasachischen Regierung besonders gefördert, so dass hier für ausländische Anbieter von Maschinen und Ausrüstungen perspektivreiche Absatzchancen bestehen. Daneben werden die Sektoren Immobilienwirtschaft/Vermietung und unternehmensnahe Dienste sowie der Transport- und Telekommunikationssektor von zunehmendem Interesse sein.

Für die dringend erforderliche Modernisierung beim Ausbau der Stromwirtschaft und der Wärmeversorgung hat die Regierung Kasachstans zahlreiche Maßnahmen eingeleitet, die maßgebliche Impulse auf das Importgeschäft in diesem Sektor geben werden. Ebenso bestehen im Bereich Gesundheitswesen / Medizintechnik besondere Wachstumschancen. Viele Regionalverwaltungen haben die Erneuerung in den öffentlichen Gesundheitseinrichtungen, die Ausbildung des Medizinpersonals sowie die Ausstattung neuer Krankenhäuser und Polikliniken ganz oben auf die Agenda gesetzt.

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Aktivitäten des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft

Seit Januar 2008 erscheinen dank einer Finanzierung durch Mitgliedsunternehmen und den Ost-Ausschuss monatliche „Länderanalysen Zentralasien“ zu den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in der Region. Diese werden gemeinsam von der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen und der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde herausgegeben. Die Länderanalysen Zentralasien können kostenlos unter www.laender-analysen.de abonniert werden.

Anfang Februar 2009 veranstaltete der Ost-Ausschuss gemeinsam mit der Deutschen Bank und dem OMV in Berlin eine Wirtschaftskonferenz anlässlich der Eröffnung des Kasachstan-Jahres in Deutschland, an der Staatspräsident Nursultan Nasarbajew teilnahm. Der Ost-Ausschuss ist weiterhin in Form der Regierungsarbeitsgruppe (RAG) Handel und Wirtschaft aktiv in den wirtschaftspolitischen Dialog mit der kasachischen Regierung involviert. Aufgabe der RAG ist es, die deutsch-kasachischen Wirtschaftsbeziehungen zu fördern und konkrete Unternehmensprojekte, die der staatlichen Flankierung bedürfen, voranzutreiben. Daneben geht es um die Rahmenbedingungen der wirtschaftlichen Kooperation. Seit 2004 gibt es ein deutsch-kasachisches Manager-Fortbildungsprogramm, das kürzlich bis 2010 verlängert wurde. Bisher weilten 150 kasachische Manager zu Praktika in Deutschland.

Vom 8. bis 11. November 2009 reiste unter Leitung des Ost-Ausschuss-Vorsitzenden Klaus Mangold eine zwölfköpfige Wirtschaftsdelegation durch drei Länder Zentralasiens, so auch durch Kasachstan. Bei den Gesprächen der deutschen Unternehmer mit hochrangigen Vertretern der  Regierung ging es insbesondere um die Abstimmung neuer Investitions- und Kooperationsprojekte vor allem zur Projektfinanzierung, Infrastruktur-entwicklung, zum Maschinen- und Anlagenbau sowie um die Förderung von Aus- und Weiterbildung. Siehe auch den Bericht zur Delegantionsreise "Wirtschaftskrise und neue Chancen".

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Quellen:
Auswärtiges Amt
European Bank for Reconstruction and Development
Statistisches Bundesamt
International Monetary Fund

 

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Statistik

Präsident: Nursultan Nasarbaew
Regierungschef: Karim Massimow
Hauptstadt: Astana
 
Bevölkerung, 2009: 16,2 Mio.
Nominales BIP, 2009: 77,3 Mrd. Euro
BIP pro Kopf, 2009: 4.772 Euro
BIP-Wachstum, 2009: -1,3 Prozent
 
Bilateraler Handel mit Deutschland
 
Importe aus KAZ, 2009: 2,3 Mrd. Euro
Exporte nach KAZ, 2009: 1,4 Mrd. Euro
 
Quellen:
Auswärtiges Amt, CIA World Fact Book, Statistisches Bundesamt.

BIP: Bruttoinlandsprodukt
 

Artikel

"Wirtschaftskrise und neue Chancen